Leerstandsmanagement ist Chefinnensache: damit behaupte ich nicht, dass alle anderen bisher versagt haben, denn da sind wirklich dicke Bretter zu bohren, aber wir müssen es anders anpacken und vor allem bei den Eigentümern nicht locker lassen. Dass sich eine Hausbesitzerin von einem Pizzaessen mit einem Stadtrat nicht zum Verkauf oder zu einer Investition überzeugen lässt, ist nachvollziehbar. Bereits vor einigen Jahren wurde uns im Stadtrat einen Plan zu allen ungenutzten Gebäuden und deren Besitzern vorgelegt. Hier muss eine Bürgermeisterin intensiv ansetzen und das persönliche Gespräch suchen. Wenn ich mir die obere Häuserzeile auf unserem Marktplatz anschaue, dann sage ich, dort ist es fünf nach 12, da möchte ich sofort anfangen. Denn diese offene klaffende Wunde im Herzen von Cham tut mir weh.

Die Wiederbelebung der bayerischen Wirtshauskultur am Marktplatz ist Meilenstein Nr. 1.

Die Investition der Firma Frey in Cham begrüße ich außerordentlich. Der geplante Übergang wird ein Alleinstellungsmerkmal für eine Stadt in der Größenordnung von Cham. Neu hinzu kommt eine Verschiebung der Achse Richtung Brunnendorf, das von der Stadtentwicklung her ein neuer Standort für wohnen, arbeiten, einkaufen und erholen in Cham werden könnte. Das ist wunderbar, denn die Konkurrenz liegt nicht innerstädtisch, sondern lockt von außen mit Angeboten. Wir müssen die Kunden von außen gewinnen und in der Stadt gut lenken. Genauso aber muss die Stadt für die kleinen Einzelhändler da sein und ihre Sorgen anhören.

Folgenden Satz traue ich mir zu sagen:

„Es gibt kein Recht auf einen unverbaubaren Blick“

Wir wollen Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe, tolle Geschäfte gleich um die Ecke, die breite Straße bis zum Haus, aber Wohnen wollen wir mit Blick in die Natur, am besten am Waldrand. Das kann so nicht funktionieren.

Und deshalb sehe ich auch die derzeitige Diskussion um einen Bebauungsplan Innenstadt kritisch, er setzt Regeln für den Moment, das ist klar, die Aufstellung kostet aber auch viel Geld und wie lange wird er Bestand haben. Reden wir in 10 Jahren nicht über ganz andere Bedürfnisse bei der Bebauung. Legen wir und vor allen Dingen bau- und sanierungswilligen Eigentümern in der Altstadt eine Zwangsjacke an. Was bringt ein Bebauungsplan, wenn wir dann in jeder Sitzung über eine Ausnahme streiten werden? Eine tote Innenstadt bedeutet auch Werteverlust für die Immobilien, und wir brauchen die Frequenzbringer in der Innenstadt.

Baugebiete sind dringend nachgefragt, daher tut die Stadt gut daran, neue Baugebiete auszuweisen, aber bitte nicht sprichwörtlich um jeden Preis. Denn Flächen stehen entweder nicht zur Verfügung oder werden nicht verkauft. Ganz abgesehen vom Zersiedelungsaspekt und Versiegelungsaspekt. Die Immobilienblase wird auch mal wieder platzen und da setze ich verstärkt auf Nachverdichtung in der Innenstadt und den Dorfkernen.

Ich halte es für notwendig, die Entwicklung des Areals Luitpoldhöhe (6500 qm beste Lage) wieder aktiv anzugehen. 

Wohnen betrifft auch nicht nur den Hausbauer im neuen Wohngebiet, sondern auch Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – auf günstigen Wohnraum angewiesen sind. Jene dürfen wir nicht vernachlässigen. Deshalb ist die Sanierung unserer städtischen Wohnanlagen für mich Pflichtaufgabe. Wir werden aber in Zukunft auch andere Wohnformen brauchen. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Gebäude der jetzigen Gerhardinger Realschule. Wir wissen, dass nach deren Auszug auf dem Schulberg, erst mal während der Sanierungszeit das RSG einzieht, aber dann? Wenn wir als Stadt wollen, dass das Areal frequentiert bleibt, dann könnte ich mir dort entsprechenden Wohnraum vorstellen, vielleicht sogar im Sinne einer Genossenschaft. Möglicherweise könnte man auch eine soziale Organisation motivieren, dort miteinzuziehen.