Das ist ein Screenshot eines DSL Speed Tests in meinem Homeoffice „im Schatten des Rathauses“, also in der Innenstadt. Für meine berufliche Tätigkeit leider nicht ausreichend, hinzu kommen Mikroabbrüche in der Verbindung, die immer wieder eine Einwahl in den Server in München nötig machen. Ich weiß, dass es vielen von Ihnen ähnlich geht.

Selbst der Ministerpräsident sagte in seiner Regierungserklärung 2019:  der Mobilfunk ist „eine der Peinlichkeiten Deutschlands, leider auch Bayerns, wir müssen hier deutlich zulegen“. Wir nehmen ihn beim Wort. Denn die Kommunen – und damit auch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort – müssen sich auf eine praxistaugliche Förderung verlassen können, damit der Ausbau zügig vorangeht. Wir sind meilenweit von der 5 G Versorgung entfernt!

In diesem Zusammenhang muss auch die Digitalisierung des Ratshauses beschleunigt werden. Überall wo möglich, muss die Schriftformerfordernis zurückgedrängt werden. wir brauchen mehr Lösungen für die digitale Unterschrift. Warum kann ich meine Steuererklärung mit ELSTER digital abgeben, aber keinen Ausweis auf diese Weise beantragen?

Die Schaffung ausreichender digitaler Infrastruktur ist nur bedingt auf der kommunalen Ebene beeinflußbar, macht sich aber genau vor Ort am meisten bemerkbar. Innovative Unternehmen, moderne Arbeitsplätze und die zunehmende Berufstätigkeit beider Elternteile machen eine gute digitale Vernetzung unumgänglich. Leider ist hier in der Vergangenheit bisher auf politischer Ebene viel zu wenig passiert. Die Breitbandinitiative des Landkreises Cham ermöglicht nun nach zweijähriger Verzögerung den Ausbau von 1600 Kilometern Glasfaser in jenen Teilen des Landkreises, die bisher noch gar keinen Zugang zum Breitband haben. Das ist gut und wichtig.

Zugleich gibt es aber noch keine Perspektive für die Städte im Landkreis Cham, in denen bisher  – theoretisch – bis zu 100 MB Download möglich ist. Wenn wir Behörden und andere qualifizierte Arbeitsplätze in den ländlichen Raum verlagern wollen, braucht es nicht nur Straßen, sondern vor allem eine stabile Datenautobahn. Daran muss eine Chamer Bürgermeisterin an vorderster Front mitwirken, denn wir brauchen eine leistungsfähige digitale Infrastruktur für unsere familiengeführten Unternehmen und industriellen Mittelständler.

Wirtschaftsstandort Cham

Leben in der Stadt, Begegnung und soziale Ausgewogenheit kann auch in Cham nur mit innovativen Gewerbetreibenden und Unternehmen stattfinden. Diese bieten attraktive Arbeitsplätze und haben idealerweise eine so hohe Anziehungskraft, dass sie nicht nur junge Leute in der Kommune halten, sondern auch gut ausgebildete Menschen wieder in die Heimat zurückholen. Es ist Aufgabe einer Bürgermeisterin als Spitze der Stadtverwaltung, die Rahmenbedingungen so positiv zu gestalten, dass dies möglich ist. Genehmigungsverfahren sind schnell und unbürokratisch zu bearbeiten, Gewerbeflächen vorzuhalten. Während es bei Wohnstandorten auch Alternativen zur extensiven Flächennutzung gibt, sind wir in Cham auf die Expansion von Industrie- und Gewerbegebieten angewiesen. Hier setzen uns die Landschaftsschutzgebietsflächen enge Grenzen, die es bei jedem einzelnen Fall  – auch mit den angrenzenden Kommunen – auszuloten gilt.

Die Stadt Cham muss mehr Power in ihre Rolle als attraktive Wohn- und Einkaufsstadt legen. Die Konkurrenten der Innenstadt befinden sich weniger in Janahof als außerhalb der Landkreisgrenzen. Gewerbe, Handel und Stadtmarketing müssen Hand in Hand arbeiten, damit Menschen aus nah und fern gerne nach Cham zum Einkaufen kommen. Was mir z.B. in Cham fehlt, ist eine Markthalle, in der einheimische Betriebe ihre regional erzeugten Waren unter einem Dach anbieten, nicht nur am Samstag vormittag.

Wir müssen uns mehr Gedanken darüber machen, wie wir den Technologie-Campus noch mehr in die Stadtentwicklung integrieren. Günstige Working Spaces für Start Up Unternehmen können in Campus Nähe, aber auch in der Nähe des Begegnungszentrums am Marktplatz entstehen.

Genauso wie ich mich für die Eröffnung eines Bayerischen Wirtshauses am Chamer Marktplatz einsetzte, bin ich der Meinung, dass wir in der Chamer Innenstadt ein weiteres Stadthotel brauchen. Visionär wäre dies in einer Doppelnutzung des Parkdecks am Floßhafen. Unten parken Einheimische und oben relaxen Touristen nach einer ausgiebigen Shoppingtour.  

Der Erhalt historischer Bausubstanz ist zu begrüßen, aber was nützt uns hier eine strenge Auslegung, die dazu führt, dass gerade in der Innenstadt immer mehr Gebäude leerstehen und verfallen, weil sie zu einem finanziellen Kraftakt für die Besitzer werden. Eine Kommune muss Besitzer und Investoren zusammenbringen und nicht durch uneinlösbare Forderungen auseinanderdividieren.